Sidonienbrücke

Ansicht

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  1. Nutzung, Bauzeit:

    • Okerbrücke für den Fußgänger- und Fahrradverkehr, errichtet 2020/21.
  2. Städtebauliche Situation, Nachbargebäude:

    • Brücke schafft Verbindung zwischen Innenstadt und westlichem Wallringbereich mit gründerzeitlichem Stadtquartier des westlichen Ringgebiets;
    • östlicher Brückenkopf befindet sich in kleiner Parkanlage des klassizistischen Wallrings.
  3. Geschossigkeit und Dachform:

    • entfällt
  4. Baukörpergestaltung:

    • Fahrbahn mit leichtem Stich und konkavem Grundriss über Tragkonstruktion mit Schrägstützen;
    • massive Widerlager mit abgeschrägten Flanken und bankartigen Auflagern für die Schrägstützen;
    • an der östlichen Parkseite seitliche und axial angelegte Auffahrtsrampen.
  5. Bezug von Baukörper und Dachform zur Umgebung:

    • Auffahrtsbereich mit Rampen am östlichen Brückenkopf stellt Eingriff in Topografie der Parkanlage dar;
    • leicht überzogene Dimensionierung einer Brücke für Fuß- und Radweg.
  6. Fassadengestaltung:

    • entfällt
  7. Detaillierung:

    • schlankes Tragwerk mit Schrägstützen entsprechend des Kraftverlaufs gestaltet;
    • gesimsartiger Abschluss der Fahrbahnborde und Widerlager;
    • Filigrane Stabgeländer.
  8. Materialien und Farbgebung:

    • Widerlager mit rötlichem Sandsteinmauerwerk verkleidet;
    • bankartige Auflager der Schrägstützen aus Sichtbeton;
    • Tragwerk aus anthrazitfarbenen Vollwand-Stahlträgern;
    • Borde aus Sichtbeton begrenzen Asphaltbelag der Fahrbahn;
    • Stabgeländer aus Edelstahl;
    • an den Brückenköpfen jeweils zwei stelenartige Beleuchtungskörper.
  9. Bezug der Materialien und Fassadengestaltung zur Umgebung:

    • schlüssig- konstruktive Gestaltung der Brücke;
    • Bezug zur Umgebung besteht nicht.
  10. Abschließende Bewertung: -

    • Brückenbauwerk zeigt sich trotz sorgfältige Gestaltung als durchaus problematisch zu bewertender Eingriff in den historischen Wallring.
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Die Sidonienbrücke bildet eine für den Fußgänger- und Radverkehr geschaffene Verbindung von der Innenstadt und dem Wallring über den westlichen Umflutgraben in das westliche Stadterweiterungsgebiet. Sie ist nach der Sidonienstraße benannt, welche die Wegeachse aus der Innenstadt westlich des Okergrabens fortsetzt. Die Planungen für den dortigen Brückenbau reichen in das späte 19. Jahrhundert zurück. Eine erste Fußgängerbrücke entstand 1877. Planungen für eine feste Straßenbrücke wurden in den Jahren um 1900 von der Herzolglichen Bauverwaltung nicht genehmigt mit dem Hinweis auf eine schädliche Wirkung für den historischen Wallring. Der Vorgängerbau der heutigen Brücke stammte von 1905. Er musste mehrfach völlig erneuert werden, das schöne Jugendstilgeländer blieb bis zum Abbruch im Jahr 2020 erhalten.

Aufgrund von Buschäden und mit der Absicht, den Flussübergang für Fußgänger und Radfahrer leistungsfähiger zu gestalten, wurde 2021 die neue Sidonienbrücke errichtet. Die mit leichter Wölbung angelegte Fahrbahn ruht über Brückenköpfen mit Natursteinverkleidungen. Aufgrund des Höhenunterschiedes zwischen den beiden Ufern sind an der Ostseite (Wallring) axial und seitlich jeweils Auffahrtsrampen angelegt. Die eigentliche Brückenkonstruktion besteht aus zwei Trägerachsen aus Stahlprofilen, die durch entsprechende Schrägstreben unterstützt werden und dem Kraftverlauf entsprechend geformt sind. Die schrägen Stützen sind auf bankartigen Widerlagern aus Beton abgesetzt. Die asphaltierte Fahrbahn ist zur Mitte hin durch leichte Schwünge aufgeweitet und wird von Sichtbetonborden seitlich abgeschlossen. Die Borde erstrecken sich auch über die einwärts gerundeten Brückenköpfe. Sie tragen das filigrane Stabgeländer aus Edelstahl. Stahlkonstruktion und Geländerpfosten sind anthrazitfarben gestrichen. An den Auffahrten befinden sich jeweils zwei stelenartige Beleuchtungskörper.

Der jüngste Brückenbau im Innenstadtbereich zeigt eine durchaus elegantes und konstruktiv schlüssiges Erscheinungsbild. Auch in den Details ist er sorgfältig gestaltet. Kritisch zu bertrachten sind jedoch die Auffahrtsrampen am Westrand der kleinen Parkanlage, die im Rahmen der Schaffung des Wallrings im frühen 19. Jahrhundert von Peter Joseph Krahe entworfen wurde. Ein geplanter Eingriff dieser Art führte – wie bereits dargelegt – bereits um 1900 zur Ablehnung eines (allerdings als Straßenübergang konzipierten) Brückenprojekts durch die seinerzeit zuständige Landesbehörde. Darüber hinaus ist mit dem Abbruch des als Baudenkmal gelisteten Vorgängerbaus ein Verlust in der Denkmallandschaft Braunschweigs zu beklagen.

Altan
Austritt (Balkon) über einem Vorbau, z.B. über einer Veranda
Aus- bzw. Vorkragung
über die Bauflucht vorspringendes Stockwerk bzw. Gebäudeteil
Brüstung
Wandbereich unter einer Fensteröffnung
Fasche
Rahmung einer Fassadenöffnung (Tür, Tor, Fenster) durch Putz- oder Farbstreifen bzw. mit hölzernen Bauteilen
Fensterband
Reihung von Fensteröffnungen, bei Treppenhäusern auch in senkrechter Anordnung möglich
Freigespärre
Vor einer Giebelfassade angeordnetes Dachgespärre zur Stützung eines entsprechenden Dachüberstandes, oft aus dekorativen Gründen errichtet
Fronton
unmittelbar über der Traufe vor der Dachfläche und quer zum First aufgesetzter Dreiecksgiebel
Gaube
hinter die Traufe zurückgesetzter Dachaufbau
Gesims
waagrechter Mauerstreifen oder entsprechendes Profil zur Fassadengliederung, häufig auch an der Traufe (Traufgesims, bei freistehenden Bauten auch Kranzgesims genannt)
Gewände
Einfassung einer Fassadenöffnung (Tür bzw. Fenster)
Kolonnade
offener Gang hinter einer Pfeiler- oder Säulenreihe
Lisene
flacher, senkrechter Mauerstreifen zur Fassadengliederung
Loggia
hinter einer Fassadenflucht eingezogener Freibereich mit Austritt
Mezzaningeschoss
niedriges Stockwerk, meist unter dem Dachansatz (Traufe) angeordnet
Okulus
kreisrunde Fensteröffnung
Ortgang
Kante einer Dachschräge am Giebel
Paneel
geschlossene Füllung in einer Vorhangfassade
Pilaster
senkrechter Mauerstreifen zur Fassadengliederung, entsprechend einer Säule mit Basis und Kapitell gesteltet
Pultdach
Dach mit einseitig geneigter Fläche
Risalit
vorspringender Fassadenbereich in gesamter Gebäudehöhe, meist als Mittel- oder Seitenrisalit
Segmentbogen
Bogen über einem Kreisausschnitt (kein voller Rundbogen)
Sohlbank
architektonisch betonter, unterer Abschluss einer Fensteröffnung
Staffelgeschoss
hinter die Traufe zurückspringendes Dachgeschoss, zumeist bei Flachdächern
Sturz
oberer Abschluss einer Wandöffnung (Tür bzw. Fenster)
Traufe
oberer, waagrechter Abschluss einer Fassade, bei geneigten Dächern die untere Dachkante
Vorhangfassade
vom Haupttragwerk eines Gebäudes abgelöste Fassade in Pfosten-Riegel-Konstruktion, oft großflächig verglast
Werkstein
durch Steinmetz bearbeiteter Naturstein
Zwerchhaus
unmittelbar über der Traufe in Fassadenflucht angeordneter Dachaufbau mit Giebel quer zum First (Zwerchgiebel)